Start › Wie viel solltest du ausgeben
Wie viel sollte ich in meinem Alter gespart haben?
Die ehrliche Antwort ist, dass Alter die falsche Bezugsgröße ist. Die Zahl, die du wirklich brauchst, ist ein Notgroschen in Höhe von drei bis sechs Monaten deiner eigenen notwendigen Ausgaben, gerechnet aus deinen Fixkosten plus einem realistischen Betrag für Lebensmittel und Mobilität. Nicht aus deinem Einkommen, denn im Notfall zählt, was rausgeht. Diese Seite behandelt bewusst nur das verfügbare Geld. Zur Altersvorsorge sagen wir hier nichts, weil das eine Anlage- und Beratungsfrage ist und keine Budgetfrage.
Warum das Alter die falsche Frage ist
Die Frage nach dem Sparstand mit 30 oder 40 klingt konkret, hat aber keine belastbare Antwort, weil sie zwei sehr verschiedene Dinge vermischt und beide vom Alter kaum abhängen. Der eine Teil ist verfügbares Geld für Notfälle, und dessen richtige Höhe hängt an deinen Ausgaben und deinem Risiko, nicht an deinem Geburtsjahr. Der andere Teil ist langfristige Vorsorge, und die ist eine Anlagefrage, die wir hier nicht beantworten. Wer mit 40 gerade eine Familie gegründet und ein Haus gekauft hat, hat andere sinnvolle Zahlen als jemand im selben Alter ohne beides. Rechne deshalb deine Zahl, statt dich an einem Jahrgang zu messen.
Die Zielzahl, die du wirklich ausrechnen kannst
Nimm deine notwendigen Monatsausgaben, nicht dein Einkommen. Dazu gehören Warmmiete oder Rate, Strom, Versicherungen, Kreditraten, Kinderbetreuung, Handy und Internet, ein realistischer Betrag für Lebensmittel und der Weg zur Arbeit. Nicht dazu gehören Freizeit, Essengehen und Urlaub, denn in einem echten Engpass fallen die als Erstes weg. Diese Summe mal drei ist deine erste Zielmarke, mal sechs die zweite. Der Vorteil dieser Rechnung gegenüber jeder Altersangabe ist, dass sie mit deinem Leben mitwächst: Wenn du umziehst, ein Kind bekommst oder ein Auto anschaffst, steigt die Zahl automatisch, ohne dass du irgendeine Tabelle konsultieren müsstest.
Drei Monate oder sechs?
Innerhalb der Spanne entscheidet dein Risiko. Richtung sechs Monate schieben dich ein unsicherer oder befristeter Arbeitsvertrag, Selbstständigkeit mit schwankenden Aufträgen, ein Haushalt mit nur einem Einkommen, unterhaltspflichtige Kinder, ein Eigenheim mit alten Bauteilen und ein Beruf, in dem eine neue Stelle erfahrungsgemäß lange dauert. Richtung drei Monate schieben dich ein sicherer Arbeitsplatz, zwei Einkommen im Haushalt, geringe Fixkosten, keine Unterhaltspflichten und eine Qualifikation, die schnell wieder gefragt ist. Wenn du unsicher bist, fang mit einem Monat an. Der Unterschied zwischen null und einem Monat ist im Alltag größer als der zwischen drei und sechs.
Warum Durchschnittswerte nach Alter der schlechteste Maßstab sind
Es gibt Erhebungen zu Vermögen und Ersparnissen nach Altersgruppen, und sie sind für unseren Zweck aus zwei Gründen ungeeignet. Erstens werden solche Verteilungen von wenigen sehr hohen Werten nach oben gezogen, sodass der Durchschnitt kaum jemanden beschreibt, der ihn liest. Zweitens vermischen sie Immobilien, Vorsorgeansprüche und verfügbares Geld, während dich in einem Engpass ausschließlich das Letzte rettet. Sich mit einem Altersdurchschnitt zu vergleichen erzeugt deshalb entweder unbegründete Panik oder unbegründete Ruhe, und beides führt zu falschen Entscheidungen. Wir zitieren hier bewusst keine solchen Zahlen. Die einzige Vergleichsgröße, die etwas verändert, ist deine eigene Monatsausgabe.
Die Reihenfolge, wenn du spät anfängst
Spät anzufangen ist kein Grund, es zu lassen, aber die Reihenfolge zählt. Erst ein kleiner Puffer, damit Kleinigkeiten nicht sofort zu Schulden werden. Dann teure Schulden angreifen, insbesondere ein dauerhaft ausgeschöpfter Dispositionskredit. Dann den Notgroschen auf einen Monat bringen, danach in Ruhe Richtung drei Monate arbeiten. Erst danach lohnt es sich, über weitere Ziele nachzudenken. Was die Altersvorsorge angeht, ist der richtige Ansprechpartner eine unabhängige Beratung und nicht eine Budgetseite, und wir geben dazu bewusst keine Empfehlung ab. Was wir mit Bestimmtheit sagen können: Ein Haushalt ohne verfügbare Reserve baut kein Vermögen auf, weil jede Überraschung den Fortschritt zurücksetzt.
Der Umschlag: benennen, Ziel setzen, monatlich füllen
Leg einen Umschlag Notgroschen an, trag deine berechnete Zielsumme ein und fülle ihn per Dauerauftrag am Tag nach dem Gehaltseingang. Der Name ist wichtiger, als er wirkt: Unbenanntes Geld wird für alles Mögliche verwendet, benanntes verteidigt sich fast von selbst. Halte den Notgroschen getrennt von Rücklagen für Auto, Nebenkosten und Geschenke, sonst zahlst du deine Winterreifen aus deinem Notfallgeld. In Envelope Budget siehst du Ziel und Fortschritt im Widget, ohne die App zu öffnen, und du kannst das Ziel im Vision Board hinterlegen, wenn dir ein Bild beim Dranbleiben hilft.
Häufige Fragen
Erst Notgroschen aufbauen oder erst Schulden tilgen?
Erst einen kleinen Notgroschen, dann tilgen, dann den Notgroschen fertig aufbauen. Der Grund ist praktisch: Ohne jede Reserve erzeugt die nächste Autoreparatur neue Schulden, und die Tilgung fängt von vorn an. Wie groß der erste Schritt ist, hängt an deinem Risiko, aber schon ein kleiner Betrag verändert die Lage spürbar. Wenn du mit einem dauerhaft ausgeschöpften Dispo lebst, ist das der Sonderfall, bei dem beides gleichzeitig laufen sollte: eine kleine Reserve aufbauen und parallel den Kontostand Richtung null bringen.
Ist es schlimm, mit 30 nichts gespart zu haben?
Es ist ein Startpunkt, kein Urteil. Ausbildungszeiten, Studium, Umzüge, Elternzeit und Phasen mit niedrigem Einkommen erklären die meisten leeren Konten in diesem Alter vollständig. Was zählt, ist die Richtung ab heute. Rechne deine notwendigen Monatsausgaben, setz einen Monat davon als erstes Ziel und richte einen Dauerauftrag ein, der auch in einem schlechten Monat funktioniert. Das erste Ziel ist absichtlich klein, weil der erste erreichte Meilenstein mehr verändert als jede Zielsumme, die du nie erreichst.
Zählt eine Immobilie oder ein Auto zu meinen Ersparnissen?
Für diese Rechnung nicht. Der Notgroschen soll innerhalb weniger Tage verfügbar sein, ohne dass du etwas verkaufen musst und ohne dass du dabei Verluste hinnimmst. Eine Immobilie ist Vermögen, aber sie zahlt keine Werkstattrechnung, und ein Auto zu verkaufen, um eine Rechnung zu begleichen, ist genau die Notlage, die du vermeiden willst. Rechne für den Notgroschen ausschließlich mit Geld, das verfügbar ist. Alles andere gehört in eine Vermögensbetrachtung, und die ist ein anderes Thema als dein Monatsbudget.
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