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Wie viel sollte ich im Monat für Strom und Nebenkosten ausgeben?
Als Planungsband landen Strom und Nebenkosten zusammen bei etwa 5 bis 10 Prozent vom Netto, in Altbauten und großen Wohnungen höher. Wichtiger als der Prozentsatz ist aber ein Strukturunterschied, den viele Budgetratgeber übersehen: Du bekommst hier keine monatliche Verbrauchsrechnung. Du zahlst zwölf gleich hohe Abschläge, und die Wahrheit kommt einmal im Jahr als Abrechnung mit Nachzahlung oder Guthaben. Deshalb braucht dieser Posten zwei Umschläge, nicht einen: den laufenden Abschlag und eine Rücklage für die Jahresabrechnung.
Warum es hier keine schwankende Monatsrechnung gibt
Wer amerikanische Budgetratgeber liest, findet dort lange Kapitel über schwankende Nebenkostenrechnungen und darüber, wie man den Januar überlebt. In Deutschland ist das Problem anders geschnitten. Deine Miete enthält eine Vorauszahlung auf die Betriebskosten, dein Stromversorger bucht einen monatlich gleichen Abschlag ab, und beide Beträge ändern sich das ganze Jahr über nicht. Deine Monatsplanung ist also einfacher als im englischsprachigen Original, dafür hast du ein anderes Risiko: Einmal im Jahr kommt ein Brief, und der kann alles Mögliche fordern. Der Fehler ist deshalb nie, den Monat zu knapp zu planen. Der Fehler ist, den Brief nicht eingeplant zu haben.
Der Abschlag ist eine Vorauszahlung, keine Kosten
Das ist der Satz, an dem dieser ganze Posten hängt. Ein Abschlag ist eine Schätzung, die dein Versorger oder deine Vermieterseite auf Basis eines angenommenen Verbrauchs festgelegt hat. Er kann zu niedrig sein, weil der Vorbesitzer weniger verbraucht hat oder weil Energiepreise gestiegen sind, und er kann zu hoch sein, wenn du sparsamer lebst als angenommen. In beiden Fällen ist das, was du monatlich zahlst, nicht das, was du kostest. Deine tatsächlichen Kosten kennst du erst mit der Jahresabrechnung. Nimm für die Planung deshalb nicht den Abschlag, sondern den Abschlag mal zwölf, korrigiert um das, was die letzte Abrechnung gefordert oder erstattet hat. Diese eine Rechnung macht deine Zahl ehrlich.
Das Planungsband und was es verschiebt
Fünf bis zehn Prozent vom Netto sind ein Planungsband, kein gemessener Durchschnitt, und du solltest es nur benutzen, um zu prüfen, ob deine eigene Zahl ungefähr plausibel ist. Nach oben schieben dich schlecht gedämmte Altbauten, eine große Wohnfläche pro Person, Warmwasser über einen elektrischen Durchlauferhitzer, Homeoffice im Winter und eine Wohnung mit vielen Außenwänden. Nach unten schieben dich ein Neubau, Zentralheizung mit Warmwasser über die Nebenkosten, eine mittlere Etage zwischen beheizten Nachbarn und ein Haushalt, der tagsüber leer ist. Nichts davon ist Disziplin. Das Gebäude entscheidet mehr über diese Zahl als dein Verhalten, und das ist gleichzeitig die Entlastung und die schlechte Nachricht.
Die eine Rücklage, die diesen Posten rettet
Nimm deine letzte Nebenkostenabrechnung und deine letzte Stromjahresabrechnung. Stand dort eine Nachzahlung, teile sie durch zwölf und fülle ab diesem Monat genau diesen Betrag in eine Rücklage mit dem Namen Nebenkostennachzahlung. Kam ein Guthaben, gib ihm trotzdem einen kleinen monatlichen Betrag, denn Preise und Verbrauch bewegen sich. Wenn du noch keine Abrechnung hast, weil du neu eingezogen bist, fülle einen Platzhalter und korrigiere ihn, sobald der erste Brief kommt. Das Ziel ist nicht, den Betrag exakt zu treffen. Das Ziel ist, dass der Brief einen Umschlag findet, der schon halb voll ist, statt einen Dispo, der schon halb ausgeschöpft ist.
Die Umschläge, die du diese Woche anlegst
Drei Umschläge, und du bist fertig. Erstens Strom & Nebenkosten für den Stromabschlag, gefüllt in Höhe des Abschlags, am Tag der Abbuchung geleert. Zweitens die Nebenkostenvorauszahlung, die meistens schon in der Warmmiete steckt und dann im Wohn-Umschlag bleibt. Drittens die Rücklage für die Jahresabrechnung. In Envelope Budget legst du die drei in zwei Minuten an, trägst die Abbuchungen von Hand ein und siehst den Rücklagenstand auf dem Sperrbildschirm-Widget, ohne dass die App Zugriff auf dein Konto braucht. Für viele ist genau das der Grund, es hier so zu machen: Die Zahlen sind sichtbar, aber sie verlassen dein Telefon nicht.
Häufige Fragen
Gehört das Internet zu den Nebenkosten?
Rechnerisch kannst du es dazuzählen, praktisch verhält es sich anders. Internet und Mobilfunk sind feste Vertragsbeträge ohne Jahresabrechnung und ohne Nachzahlungsrisiko, während Strom und Betriebskosten genau davon leben. Wenn du beides mischst, siehst du nicht mehr, welcher Teil sich bewegt hat. Halte Handy & Internet in einem eigenen Umschlag und lass Strom & Nebenkosten sauber. Der Rundfunkbeitrag gehört ebenfalls nicht hierher, weil er pro Haushalt und meist quartalsweise abgerechnet wird und deshalb einen eigenen kleinen Umschlag verdient.
Ich bin gerade eingezogen und habe keine Werte. Wie plane ich?
Nimm den Abschlag, den dein Stromanbieter für die Wohnung angesetzt hat, und die Nebenkostenvorauszahlung aus dem Mietvertrag, und plane erst einmal mit diesen beiden Zahlen. Beide sind Schätzungen von jemand anderem, also behandle sie als vorläufig. Lies gleich am Einzugstag den Zählerstand ab und fotografiere ihn, damit die erste Abrechnung nicht auf einer Schätzung des Vormieters beruht. Lege parallel eine Rücklage an, auch ohne zu wissen, wie hoch die Nachzahlung ausfällt. Nach der ersten Jahresabrechnung ersetzt du beide Platzhalter durch echte Zahlen.
Mein Abschlag ist zu hoch. Sollte ich ihn anpassen lassen?
Das ist eine legitime Frage an deinen Versorger, und der Weg ist immer derselbe: Zählerstand ablesen, den tatsächlichen Verbrauch mit dem vergleichen, den der Abschlag unterstellt, und dann eine Anpassung anfragen. Fürs Budget solltest du wissen, dass ein niedrigerer Abschlag deine Kosten nicht senkt, sondern nur verschiebt. Was du im Monat weniger zahlst, holt die Jahresabrechnung zurück. Wenn du den Abschlag senken lässt, erhöhe im selben Zug die Rücklage um denselben Betrag. Sonst hast du dir kein Geld gespart, sondern nur eine spätere Nachzahlung gebaut.
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