Start › Wie viel solltest du ausgeben
Wie viel vom Einkommen sollte in Fixkosten gehen?
Addiere alles, was du in diesem Monat nicht mehr ändern kannst: Warmmiete oder Kreditrate, Strom, Versicherungen, Mindestraten, Kinderbetreuung, Handy und Internet, Rundfunkbeitrag, Vereins- und Abobeiträge mit Laufzeit, ÖPNV-Abo. Teile durch dein Netto, und du hast deine Fixkostenquote. Zwischen etwa 50 und 60 Prozent bleibt genug beweglicher Teil, damit ein Budget funktioniert. Ab etwa 70 Prozent rettet keine Sparsamkeit bei Lebensmitteln und Freizeit den Monat, weil zu wenig Variables übrig ist, das man überhaupt kürzen könnte.
Die eine Kennzahl, die fast niemand rechnet
Die meisten Menschen kennen ihre Miete und ihr Einkommen, aber nicht das Verhältnis zwischen dem gebundenen und dem beweglichen Teil ihres Geldes. Genau dieses Verhältnis entscheidet aber, ob ein Budget überhaupt Handlungsspielraum hat. Ein Haushalt mit hoher Quote kann sich nicht heraussparen, weil das, was er ändern könnte, längst klein ist. Ein Haushalt mit niedriger Quote fühlt sich vielleicht chaotisch an, hat aber jeden Monat echte Entscheidungen zur Verfügung. Diese eine Zahl erklärt, warum dieselben Ratschläge bei zwei Menschen mit demselben Einkommen völlig verschieden wirken, und sie ist in zwanzig Minuten ermittelt.
So rechnest du ehrlich
Nimm die letzten drei Kontoauszüge und markiere jede Abbuchung, die du in diesem Monat nicht verhindern könntest, ohne einen Vertrag zu kündigen oder umzuziehen. Dazu gehören Warmmiete oder Kreditrate, Stromabschlag, Versicherungsbeiträge, Kreditraten und Ratenkäufe, Kita- oder Hortbeitrag, Handy und Internet, der Rundfunkbeitrag, Abos mit Laufzeit, Vereinsbeiträge und ein Monatsticket. Jahresbeiträge rechnest du mit einem Zwölftel mit, sonst fällt die Zahl zu niedrig aus und du hältst dich für beweglicher, als du bist. Nicht dazu gehören Lebensmittel, Sprit, Freizeit und Kleidung, so unvermeidlich sie sich anfühlen: Sie lassen sich der Höhe nach verändern, und genau das macht sie variabel.
Die Grenzfälle richtig einsortieren
Ein paar Posten liegen dazwischen, und wie du sie einsortierst, verändert das Ergebnis. Lebensmittel sind variabel, aber es gibt einen Boden, unter den du nicht kommst. Sprit ist variabel, solange dein Arbeitsweg nicht feststeht, und faktisch fix, wenn er feststeht. Das Fitnessstudio mit Jahresvertrag ist fix bis zum Kündigungstermin und danach variabel. Der Sparbetrag ist eine Sonderrolle: Er ist keine Fixkostenposition, sollte aber trotzdem wie eine behandelt werden, damit er nicht als Erstes verschwindet. Sortiere Grenzfälle konsequent nach der Frage, ob du sie in diesem Monat noch ändern könntest, nicht danach, wie wichtig sie sind.
Was die Zahl bedeutet, die du bekommen hast
Unter etwa 50 Prozent hat dein Budget viel Bewegungsspielraum, und die Aufgabe ist eher, den beweglichen Teil bewusst zu verteilen, statt ihn versickern zu lassen. Zwischen 50 und 60 Prozent bist du im normalen Bereich: Es gibt genug Variables, um auf Überraschungen zu reagieren. Zwischen 60 und 70 Prozent wird es eng, und Rücklagen sind der Posten, der zuerst leidet. Über 70 Prozent ist die entscheidende Erkenntnis, dass Sparsamkeit im Alltag das Problem nicht mehr löst. Das ist keine Niederlage, sondern eine Diagnose, und sie zeigt in eine andere Richtung: Verträge, Wohnkosten, Einkommen.
Was du gegen eine hohe Quote tun kannst
Fixkosten senkt man an Terminen, nicht durch Vorsätze. Schreib deshalb zuerst alle Kündigungsfristen und Vertragsenden auf und ordne sie nach Datum, denn nur an diesen Tagen kannst du überhaupt handeln. Die Reihenfolge nach Wirkung ist meistens: Wohnen, Mobilität, Versicherungen, Handy und Internet, Abos. Der größte Hebel ist fast immer der unbequemste, und die kleinen Verträge zusammen ergeben selten so viel wie eine Wohnungsentscheidung. Wenn nichts davon kurzfristig geht, bleibt der andere Hebel: die Einnahmenseite. Beides sind Projekte über Monate, und beide gehören auf einen Kalender statt in eine gute Absicht.
Der Umschlag: Fixes am Zahltag in einem Zug füllen
Fülle alle Fixkosten-Umschläge am Tag des Gehaltseingangs, in einem Zug, bevor irgendetwas anderes verteilt wird. Was danach übrig ist, ist dein tatsächlicher Spielraum, und mit dieser Zahl arbeitest du den Monat über. Der Vorteil ist psychologisch und praktisch zugleich: Du siehst nie einen Kontostand, der schon einer Rechnung gehört. In Envelope Budget legst du dafür einen festen Satz Umschläge an und trägst Abbuchungen von Hand ein, wenn sie kommen. Eine Bankverbindung braucht das nicht, und das ist für viele hier der Punkt: Der Überblick entsteht auf dem Telefon, nicht in einer Kontoauswertung.
Häufige Fragen
Sind Lebensmittel Fixkosten?
Nein, auch wenn sie unvermeidlich sind. Der Unterschied ist nicht Wichtigkeit, sondern Beweglichkeit: Der Betrag für Lebensmittel lässt sich in diesem Monat verändern, die Miete nicht. Genau deshalb funktioniert die Kennzahl. Wenn du Lebensmittel zu den Fixkosten zählst, sieht dein Budget starrer aus, als es ist, und du übersiehst den einen Bereich, in dem du kurzfristig tatsächlich handeln kannst. Rechne sie als variabel und beachte dabei, dass es einen Boden gibt, unter den du nicht dauerhaft kommst.
Wo gehören Kreditraten hin?
Zu den Fixkosten, in voller Höhe der vereinbarten Rate. Freiwillige Sondertilgungen zählst du nicht mit, denn die kannst du aussetzen. Wenn deine Fixkostenquote hauptsächlich aus Raten besteht und nicht aus Wohnen, ist das eine wichtige Information: Wohnkosten senkt man mit einem Umzug, Raten enden von selbst, sobald sie abbezahlt sind. Ein Budget mit hoher Ratenquote hat also ein absehbares Ende, sofern nichts Neues hinzukommt. Die einzige Regel, die dafür nötig ist, lautet: nichts Neues finanzieren.
Zählt mein Sparbetrag als Fixkosten?
Formal nein, praktisch behandelst du ihn am besten so. Sparen ist kein Gläubiger, du kannst es jederzeit aussetzen, und genau darum wird es ausgesetzt. Wenn du es beim Rechnen der Quote mitzählst, verfälschst du die Kennzahl, denn sie soll die Beweglichkeit deines Budgets messen. Rechne die Quote also ohne Sparen und fülle den Spar-Umschlag trotzdem gleich am Zahltag, zusammen mit den echten Fixkosten. Zwei verschiedene Fragen, zwei verschiedene Antworten.
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