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Das Lebensmittel-Budget aus den eigenen Kassenbons bestimmen
Wie du dein Lebensmittelbudget aus deinen eigenen Kassenbons ableitest statt aus einem Durchschnittswert. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht Ausgaben für Nahrungsmittel nach Haushaltstyp, aber diese Zahl kennt weder deinen Wohnort noch deinen Supermarkt noch die Frage, ob du kochst. Vier Wochen Bons ergeben deinen tatsächlichen Ausgangswert. Der ist kein Ziel, sondern ein Messwert, und aus ihm wird ein Umschlag, den du wöchentlich auffüllst.
Warum der Durchschnitt nicht dein Budget ist
Zahlen zu den Ausgaben privater Haushalte für Nahrungsmittel gibt es beim Statistischen Bundesamt, aufgeschlüsselt nach Haushaltstyp. Nachschlagen kann man sie, und als Kontrolle im Nachhinein taugen sie auch. Als Startpunkt taugen sie nicht. Ein Durchschnitt mittelt Stadt und Land, Discounter und Bioladen, Single mit Kantine und Familie mit fünf Mahlzeiten am Tag. Dazu kommt die Abgrenzung: Ob Restaurantbesuche, Getränke oder Tiernahrung in der zitierten Zahl stecken, steht selten dabei, und genau daran scheitert der Vergleich. Wer eine Zahl übernimmt, die Außer-Haus-Verzehr enthält, setzt einen Umschlag, der für den Einkauf zu groß und fürs Essengehen zu klein ist.
Vier Wochen Bons sammeln
Das Verfahren ist unspektakulär. Ab heute wandert jeder Kassenbon für Lebensmittel in eine Schachtel oder einen Umschlag in der Küche, vier Wochen lang. Nicht sortieren, nicht bewerten, nur sammeln. Vier Wochen deshalb, weil die meisten Haushalte in Wochenrhythmen einkaufen und eine einzelne Woche durch einen Großeinkauf oder Besuch komplett verzerrt wird. Danach zählst du die Bons zusammen und teilst durch vier. Das Ergebnis ist dein Ausgangswert pro Woche. Bargeld hilft dir hier: Wer viel bar zahlt, hat den Bon ohnehin in der Hand, und der Stapel in der Schachtel ist am Ende ein ehrlicheres Bild als jede Kontoauswertung.
Was mit Einkäufen ohne Bon passiert
Der Wochenmarkt gibt selten einen Bon, der Bäcker um die Ecke oft auch nicht, und irgendein Bon geht in der Jackentasche verloren. Lege die Regel vorher fest, sonst bricht die Zählung genau hier ab. Kartenzahlungen findest du im Kontoauszug, da reicht es, die Zeilen mit Supermarkt- und Drogeriemarktnamen herauszuziehen. Für Barkäufe ohne Beleg schätzt du: wie oft und ungefähr wie viel, und du markierst diese Beträge als Schätzung. Wenn die Schätzungen am Ende mehr als ein Fünftel der Summe ausmachen, hängst du vier Wochen dran und nimmst diesmal auch den Marktzettel mit. Ein Ausgangswert mit Lücken fällt immer zu niedrig aus, und ein zu niedriger Umschlag ist im dritten Monat leer, ohne dass jemand versteht warum.
Aus dem Messwert wird ein Wochenumschlag
Nimm den Wochenwert und fülle den Lebensmittelumschlag wöchentlich auf, nicht monatlich. Der Grund ist nicht Buchhaltung, sondern Wahrnehmung: Ein Monatsbetrag sieht am zwölften noch beruhigend groß aus, obwohl das Tempo längst nicht passt. Ein Wochenbetrag zeigt am Donnerstag, was für den Freitagseinkauf übrig ist, und das ist der Moment, in dem sich noch etwas ändern lässt. Entscheide vorher, was passiert, wenn der Umschlag leer ist: aus einem anderen Umschlag nachlegen, oder bis Montag nichts mehr kaufen. Was übrig bleibt, wandert nicht in die nächste Woche, sondern in die Rücklage für Großeinkäufe und Vorräte. Sonst löst sich die Ersparnis unsichtbar im Girokonto auf.
Drei Hebel, wenn die Zahl runter soll
Ein hoher Ausgangswert ist kein Versagen, sondern ein Messergebnis. Wenn er sinken soll, gibt es genau drei Hebel: Stückpreis, Häufigkeit und Verderb. Der Stückpreis ist die Frage nach Laden und Marke, wirkt sofort und ist irgendwann ausgereizt. Die Häufigkeit ist der stärkste Hebel, weil jeder zusätzliche Gang Dinge in den Wagen legt, die nicht auf dem Zettel standen: von drei Einkäufen pro Woche auf einen zu gehen senkt die Summe, ohne dass ein einziger Preis sich ändert. Verderb ist alles, was gekauft und nicht gegessen wurde, und schrumpft schon dadurch, dass man vor dem Einkauf in den Kühlschrank schaut. Nimm einen Hebel, teste ihn vier Wochen, zähle die Bons erneut und sieh dir an, was er tatsächlich gebracht hat.
Häufige Fragen
Gehören Essengehen und Lieferdienst ins Lebensmittelbudget?
Nein, dafür gehört ein eigener Umschlag her. Erstens verhalten sich die beiden unterschiedlich: Der Einkauf läuft jede Woche in ähnlicher Höhe, Essengehen kommt in Schüben. In einem gemeinsamen Umschlag lässt sich hinterher nicht mehr sagen, woran es lag. Zweitens wirken unterschiedliche Hebel: Beim Einkauf hilft es, seltener zu gehen, beim Essengehen ist meistens der Betrag pro Mal das Thema, nicht die Anzahl. Nur wenn du dich mit einer Statistik vergleichst, addierst du beide, weil die zitierte Zahl oft beides enthält.
Reichen auch zwei Wochen?
Als grober Startpunkt ja, aber rechne damit, dass der Wert zu niedrig ausfällt. Die Woche vor dem Gehaltseingang wird anders eingekauft als die danach, und ob ein Großeinkauf hineinfällt, verschiebt das Ergebnis deutlich. Wenn es kürzer sein muss, verkleinere lieber den Umfang als den Zeitraum: In den ersten vier Wochen zählen nur Lebensmittel, Drogerie und Haushaltswaren bleiben außen vor. Weniger Sortieren heißt, dass man nicht nach zehn Tagen aufhört.
Wie oft sollte ich neu rechnen?
Alle drei Monate als Routine. Außerdem immer dann, wenn sich etwas Konkretes ändert: Haushaltsgröße, Umzug, Kinder, die plötzlich mehr essen, oder eine spürbare Preisrunde im Supermarkt. Wenn der Umschlag zwei Monate hintereinander vor Monatsende leer ist, ist das kein Disziplinproblem, sondern ein Hinweis, dass der Messwert veraltet ist. Neu messen, den Umschlag erhöhen und festlegen, aus welchem anderen Umschlag die Differenz kommt, hält länger als Zähne zusammenbeißen.
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