Selbstständigen-Budget: die Rücklage zuerst, der Unternehmerlohn danach
Das Konto einer selbstständigen Person zeigt fast nie das, was ihr gehört. Diese Vorlage arbeitet deshalb auf zwei Ebenen: Auf der ersten verlassen Steuer- und Umsatzsteuer-Rücklage das Geschäftskonto am Tag des Zahlungseingangs, in genau der Höhe, die dein Vorauszahlungsbescheid und deine Voranmeldung nennen. Erst danach verteilen elf Umschläge den Unternehmerlohn, also den festen Betrag, den du dir monatlich auszahlst.
Die Aufteilung
| Umschlag | % |
|---|---|
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🏠 Miete / Wohnen
Prozent vom Unternehmerlohn, nicht vom Umsatz. Der Unterschied ist der ganze Punkt. |
28% |
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🩺 Krankenversicherung & Vorsorgebeiträge
Bei Selbstständigkeit zahlst du diese Beiträge selbst. Die Höhe steht auf deinen Bescheiden. |
12% |
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🛒 Lebensmittel
Privat, nicht betrieblich. Vermischen kostet dich später Zeit beim Sortieren. |
12% |
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🛡️ Notgroschen
Größer als bei Angestellten, weil kein Arbeitgeber dazwischensteht. |
12% |
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🌊 Auftragsflaute-Puffer
Deckt die Monate, in denen weniger reinkommt als du dir auszahlst. Getrennt vom Notgroschen. |
8% |
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🚗 Mobilität
Der private Anteil. Betriebliche Fahrten laufen über das Geschäftskonto. |
7% |
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💡 Strom & Nebenkosten
Abschläge plus eine Rücklage für die Jahresabrechnung. |
6% |
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🎟️ Freizeit & Essengehen
Klein angesetzt, weil Puffer und Notgroschen hier Vorrang haben. |
5% |
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📱 Handy & Internet
Der private Anteil, wenn der Vertrag geteilt genutzt wird. |
4% |
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🧾 Versicherungen
Was du bereits abgeschlossen hast. Diese Seite empfiehlt keine Policen. |
4% |
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📦 Rücklagen
Geräte, Fortbildung, Steuerberatung, Beiträge zu Verbänden. |
2% |
Keine Steuerberatung, und zwar ausdrücklich
Diese Seite berechnet nichts, nennt keinen Satz, keine Grenze und keinen Termin, und sie ist ausdrücklich keine Steuerberatung. Alles, was mit Höhe, Fristen, Pflichten oder Grenzen zu tun hat, steht in deinem Vorauszahlungsbescheid, in deiner Umsatzsteuer-Voranmeldung und bei deinem Steuerberater oder deiner Steuerberaterin. Was eine Budgetseite leisten kann, ist eine viel engere und trotzdem entscheidende Sache: dafür zu sorgen, dass das Geld, dessen Höhe dir jemand anders schon mitgeteilt hat, an dem Tag zur Seite geht, an dem es ankommt, und nicht an dem Tag, an dem es fällig wird. Genau daran scheitern selbstständige Haushalte, fast nie an fehlendem Wissen.
Der Kontostand ist nicht dein Geld
Auf einem Geschäftskonto liegen dauerhaft drei verschiedene Arten von Geld nebeneinander: das, was dir gehört, das, was du für die Einkommensteuer zurücklegst, und die vereinnahmte Umsatzsteuer, die von Anfang an nie dir gehört hat. Optisch sind sie identisch, und deshalb fühlt sich ein Konto nach einer guten Rechnung reich an, obwohl der größere Teil bereits vergeben ist. Die Regel, die das löst, ist banal und wirkt sofort: Am Tag, an dem eine Zahlung eingeht, verlassen die zurückzulegenden Anteile das Geschäftskonto in Richtung eines getrennten Kontos. Was danach stehen bleibt, ist die einzige Zahl, mit der du planen darfst. Alles davor ist eine Illusion mit Kontoauszug.
Zahl dir einen festen Unternehmerlohn aus
Der zweite Konstruktionsfehler ist, so viel privat zu entnehmen, wie gerade da ist. In starken Monaten steigt der Lebensstandard, in schwachen kommt der Dispo, und über ein Jahr gemittelt fühlt es sich an, als würde man zu wenig verdienen. Nimm stattdessen deine schwächsten Monate der letzten zwölf als Basis, leg einen festen monatlichen Betrag fest, den du dir am selben Tag überweist, und behandle diesen Betrag als dein Gehalt. Die elf Umschläge oben teilen ausschließlich diesen Betrag. Was in guten Monaten darüber hinaus im Geschäftskonto liegen bleibt, geht in den Auftragsflaute-Puffer, bis der mehrere Monatslöhne trägt. Erst danach erhöhst du den Unternehmerlohn, und dann bewusst und dauerhaft.
Vier Termine, die du einmal im Jahr in den Kalender schreibst
Selbstständigkeit hat einen Rhythmus, der nicht monatlich ist, und genau das kollidiert mit einem monatlichen Budget. Setz dich einmal jährlich hin, nimm deine Bescheide und deine Voranmeldungen zur Hand und trag jeden Termin, an dem Geld abgeht, mit Datum und Betrag in den Kalender ein — die Vorauszahlungen, die Voranmeldungen, die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, die Jahresbeiträge zu Kammer oder Verband. Danach weißt du für jeden Monat des Jahres, wie viel aus den Rücklagen abfließt, und keiner dieser Termine kann dich überraschen. Die Daten und Beträge stehen auf den Schreiben, die du bereits erhalten hast; diese Seite muss sie nicht kennen und nennt sie nicht.
Was du diese Woche änderst
Richte ein zweites Konto ein, das nur Rücklagen hält, und leg zwei Umschläge dafür an, deren Beträge du aus deinen eigenen Bescheiden und Voranmeldungen überträgst. Dann definiere deinen Unternehmerlohn als eine feste Zahl und trag ihn als Einkommen in dein Budget ein. Envelope Budget kennt dein Konto nicht — es gibt keine Bankanbindung, du trägst alles selbst ein — und für diese Aufgabe ist das ein Vorteil: Du bildest nicht ab, was auf dem Geschäftskonto passiert, sondern nur das, was du dir tatsächlich ausgezahlt hast. Zwei Ebenen, sauber getrennt, und ein Kontostand, der endlich die Wahrheit sagt.
Häufige Fragen
Wie viel Prozent sollte ich für Steuern zurücklegen?
Diese Seite nennt bewusst keinen Prozentsatz, weil jeder genannte Wert für einen Teil der Leserschaft zu niedrig wäre und genau die Leute treffen würde, die es sich am wenigsten leisten können. Die richtige Zahl gibt es aber bereits: Sie steht in deinem Vorauszahlungsbescheid, und für die Umsatzsteuer ergibt sie sich aus deiner Voranmeldung. Wenn du neu selbstständig bist und noch keinen Bescheid hast, ist das die Frage, mit der du zu einer Steuerberatung gehst. Die Aufgabe des Budgets beginnt erst danach: den genannten Betrag am Tag des Geldeingangs wegbuchen.
Getrenntes Konto oder reicht ein Umschlag in der App?
Ein getrenntes Konto ist hier deutlich stabiler als eine reine Kategorie, und das ist die eine Stelle, an der ich das so sage. Der Grund ist nicht Buchhaltung, sondern Psychologie: Geld, das man auf dem Konto sieht, wird im Zweifel ausgegeben, auch wenn es in einer App einem anderen Topf zugeordnet ist. Eine physische Trennung entfernt die Entscheidung. Der Umschlag in der App bleibt trotzdem sinnvoll, weil er dir zeigt, wie viel von der Rücklage schon für welchen Termin vergeben ist. Welche Kontoart du wählst und wo du sie führst, ist deine Entscheidung, nicht unsere.
Wie budgetiere ich, wenn die Zahlungseingänge stark schwanken?
Mit einem festen Unternehmerlohn und einem Puffer dahinter. Nimm den schwächsten Monat der letzten zwölf als Grundlage für den Betrag, den du dir auszahlst, und nicht den Durchschnitt. Alles, was in guten Monaten mehr reinkommt, hat bereits eine Aufgabe: den Auftragsflaute-Puffer füllen, bis er mehrere Monatslöhne trägt. So bleibt dein privates Budget über das ganze Jahr identisch, obwohl die Eingänge es nicht sind — und das ist der einzige Weg, auf dem Umschläge bei schwankendem Einkommen überhaupt funktionieren.
Was ist der Unterschied zwischen Notgroschen und Auftragsflaute-Puffer?
Der Notgroschen deckt Ereignisse, die nichts mit deinem Auftragsbuch zu tun haben: eine Reparatur, ein kaputtes Gerät, ein Krankheitsmonat. Der Puffer deckt den völlig normalen Fall, dass ein Monat weniger einbringt als dein Unternehmerlohn. Getrennt zu halten lohnt sich, weil sonst jede schwache Auftragslage den Notgroschen leert und du dann ohne beides dastehst, wenn wirklich etwas passiert. Zwei Umschläge, zwei Zwecke, zwei Auffüllregeln.
Führ dieses Budget auf deinem Handy
Envelope Budget steckt diese Umschläge in deine Hosentasche. Verteile jeden Betrag, trag Ausgaben ein, sobald sie passieren, und sieh, was wirklich übrig ist.
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