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Wie groß muss dein Notgroschen wirklich sein?

Der Notgroschen berechnet sich als notwendige Monatskosten mal Anzahl der Monate, die du abdecken willst. Notwendig heißt Warmmiete, Strom, Lebensmittel, Mobilität, Versicherungsbeiträge und Mindestraten — nicht dein gesamtes Ausgabenniveau. Wie viele Monate du brauchst, hängt daran, wie sicher dein Einkommen ist, ob ein oder zwei Einkommen im Haushalt stehen und wie schnell sich dein Einkommen ersetzen ließe. Addiere deine festen Umschläge, das ergibt die Monatszahl, und setz das Vielfache als Zielbetrag.

Die Formel, nicht der Spruch

Drei bis sechs Monatsausgaben ist die Zahl, die überall steht, und sie ist als Merksatz brauchbar und als Rechnung unbrauchbar, weil offen bleibt, welche Ausgaben gemeint sind. Die belastbare Version lautet: notwendige Monatskosten mal Anzahl der Monate. Notwendig ist alles, was auch dann weiterläuft, wenn kein Einkommen kommt — Warmmiete oder Rate, Strom, Lebensmittel, Mobilität, Versicherungsbeiträge, Mindestraten auf Kredite, Kinderbetreuung. Nicht notwendig sind Essengehen, Urlaub, Abos, Geschenke. Der Unterschied ist erheblich: In vielen Haushalten liegt das Notwendige spürbar unter dem, was tatsächlich ausgegeben wird, und das macht das Ziel plötzlich erreichbar.

Wie viele Monate du wirklich brauchst

Die Monatszahl ist keine Frage der Vorsicht, sondern der Ersetzbarkeit deines Einkommens. Drei Fragen entscheiden. Erstens: Wie sicher ist deine Stelle, und wie lange dauert es in deinem Beruf und deiner Region erfahrungsgemäß, eine vergleichbare zu finden? Zweitens: Steht ein Einkommen im Haushalt oder zwei? Zwei Einkommen bei einer Miete puffern einen Ausfall erheblich, ein Einkommen mit Kindern gar nicht. Drittens: Wie planbar ist dein Einkommen überhaupt — Festanstellung, befristet, selbstständig, auf Abruf. Je unsicherer die Antworten, desto weiter wanderst du im Korridor nach oben. Wer selbstständig arbeitet, liegt fast immer am oberen Ende, nicht am unteren.

Drei durchgerechnete Beispiele

Erstes Beispiel: Angestellt, unbefristet, Single, notwendige Kosten 1.500 Euro im Monat. Drei Monate ergeben 4.500 Euro. Zweites Beispiel: Paar mit zwei Einkommen, notwendige Kosten 2.400 Euro, beide Stellen sicher. Auch hier reichen drei bis vier Monate, weil ein Ausfall nie den ganzen Haushalt trifft: 7.200 bis 9.600 Euro. Drittes Beispiel: Familie mit einem Einkommen und Kinderbetreuung, notwendige Kosten 2.800 Euro. Sechs Monate ergeben 16.800 Euro. Die Zahlen sind bewusst Beispiele und keine Empfehlungen — setz deine eigenen ein. Was du dabei siehst, ist der eigentliche Punkt: Der Zielbetrag folgt aus der Situation, nicht aus einer Faustregel.

Ein Notgroschen ist keine Rücklage

Das ist die Unterscheidung, an der die meisten Notgroschen sterben. Eine Rücklage ist Geld für etwas, von dem du weißt, dass es kommt: die Nebenkostenabrechnung, die Hauptuntersuchung, Weihnachten, der Jahresbeitrag der Versicherung, die Klassenfahrt. Ein Notgroschen ist Geld für etwas, von dem du nicht weißt, ob es kommt: Einkommensausfall, ein kaputtes Gerät, eine Reparatur, die nicht warten kann. Wer beides in einen Topf legt, hat am Ende keines von beidem, weil die bekannten Ausgaben den Topf regelmäßig leeren und das Unbekannte dann trotzdem eintritt. Zwei Umschläge, zwei Namen, zwei Monatsbeträge — das ist der ganze Unterschied.

Der Umschlag, den du heute anlegst

Addiere deine festen Umschläge zur Monatszahl, multiplizier sie mit der Monatszahl aus dem zweiten Abschnitt und trag das Ergebnis als Zielbetrag im Umschlag Notgroschen ein. Setz eine erste Zwischenmarke bei 1.000 Euro, denn ein Ziel, das nach zwölf Monaten das erste Erfolgserlebnis liefert, wird selten zu Ende gebracht. Fülle den Umschlag am Tag des Gehaltseingangs, direkt nach den Fixkosten und vor Freizeit. In Envelope Budget trägt jeder Umschlag Ziel und Fortschritt, sodass du den Abstand zum Ziel siehst, ohne zu rechnen — und weil die Eingabe manuell läuft, sind auch Barausgaben Teil des Bildes.

Häufige Fragen

Soll der Notgroschen mein ganzes Budget abdecken oder nur das Nötigste?

Nur das Nötigste, und zwar aus einem praktischen Grund: In dem Monat, in dem du ihn brauchst, gibst du auch weniger aus. Urlaub, Essengehen und Anschaffungen fallen in einer solchen Phase ohnehin weg. Wenn du dein volles Ausgabenniveau ansparen willst, wird der Zielbetrag so groß, dass viele gar nicht erst anfangen. Rechne mit Warmmiete, Strom, Lebensmitteln, Mobilität, Beiträgen, Mindestraten und Betreuung. Das ergibt eine kleinere, ehrlichere Zahl, die tatsächlich erreichbar ist.

Drei Monate oder sechs Monate?

Drei, wenn dein Einkommen planbar ist, du angestellt bist und dein Haushalt nicht an einem einzigen Gehalt hängt. Sechs, wenn eines davon nicht stimmt — ein Einkommen mit Kindern, befristete Verträge, Selbstständigkeit, ein Beruf mit langer Suchdauer. Und in beiden Fällen gilt: Fang mit drei an, auch wenn sechs richtig wären. Ein Ziel in Reichweite wird erreicht, ein doppelt so großes wird oft nie begonnen. Wenn drei Monate stehen, verschiebst du die Marke auf sechs und sparst weiter.

Was, wenn der Zielbetrag so groß ist, dass Anfangen sinnlos wirkt?

Dann rechne nicht mit dem Endbetrag, sondern mit der ersten Marke. 1.000 Euro sind kein Notgroschen im vollen Sinn, aber sie sind der Unterschied zwischen einer Autoreparatur, die ärgerlich ist, und einer, die auf Kredit landet. Und die zweite Marke ist ein voller Monat notwendiger Kosten. Der psychologische Effekt der ersten Marke ist der eigentliche Ertrag: Ab da ist der Umschlag kein Vorsatz mehr, sondern ein Ding mit Inhalt, und Dinge mit Inhalt werden weitergefüllt.

Führ dieses Budget auf deinem Handy

Envelope Budget steckt diese Umschläge in deine Hosentasche. Verteile jeden Betrag, trag Ausgaben ein, sobald sie passieren, und sieh, was wirklich übrig ist.

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