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Stromabschlag anpassen, bevor die Jahresabrechnung dich überrascht
Strom wird in Deutschland nicht monatlich abgerechnet, sondern monatlich vorausbezahlt. Der Abschlag ist eine Schätzung deines Jahresverbrauchs, geteilt durch zwölf, und einmal im Jahr wird gegen den echten Zählerstand abgerechnet. Deshalb bringt es nichts, auf die monatliche Zahl zu starren: Sie sagt nichts über deinen Verbrauch, nur über die Annahme deines Anbieters. Lies deinen Zähler, vergleiche den tatsächlichen Verbrauch mit dem, den der Abschlag unterstellt, und lass ihn anpassen. Und plane die Jahresabrechnung als eigene Rücklage ein, nicht als Überraschung.
Der Abschlag ist eine Vorauszahlung, keine Rechnung
Das erste Missverständnis kostet die meisten Leute Geld: Der Betrag, der jeden Monat abgebucht wird, ist keine Stromrechnung. Er ist eine Vorauszahlung auf einen geschätzten Jahresverbrauch. Wer im Winter mehr heizt oder wer im Sommer wochenlang weg war, sieht davon monatlich nichts. Die Wahrheit kommt einmal im Jahr als Abrechnung, und sie kann in beide Richtungen gehen: Nachzahlung oder Guthaben. Daraus folgt zweierlei. Erstens ist ein niedriger Abschlag keine Ersparnis, sondern nur eine verschobene Zahlung. Zweitens ist ein hoher Abschlag kein Verlust, sondern ein zinsloses Guthaben beim Anbieter. Beides ist nicht dramatisch, solange du es weißt und dein Budget nicht auf der falschen Zahl aufbaust.
Zählerstand lesen und mit dem Abschlag vergleichen
Du brauchst nur zwei Zahlen und fünf Minuten. Auf deiner letzten Abrechnung steht, von welchem Jahresverbrauch in Kilowattstunden dein Abschlag ausgeht. Geh an den Zähler, notiere den aktuellen Stand mit Datum und vergleiche ihn mit dem Stand der letzten Ablesung. Die Differenz geteilt durch die vergangenen Tage, mal 365, ist dein Verbrauch aufs Jahr hochgerechnet. Liegt der deutlich unter der Annahme, zahlst du gerade zu viel voraus. Liegt er darüber, wächst still eine Nachzahlung. Notier dir den Zählerstand am selben Tag jeden Monat, zum Beispiel am Ersten. Nach drei Monaten hast du eine Verbrauchskurve, die keine Schätzung mehr ist, sondern dein Haushalt.
Anpassung anfordern, in beide Richtungen
Eine Anpassung des Abschlags fragst du bei deinem Anbieter an, meist im Kundenkonto mit einem Feld für den aktuellen Zählerstand. Sag dazu, warum: eine Person weniger im Haushalt, ein alter Kühlschrank ersetzt, ein Homeoffice dazugekommen. Wichtig ist, in welche Richtung du korrigierst. Nach unten anpassen ist nur dann sinnvoll, wenn dein gemessener Verbrauch das trägt — sonst verschiebst du die Zahlung nur auf einen Brief, den du dann nicht eingeplant hast. Nach oben anpassen fühlt sich falsch an, ist aber oft die ruhigere Variante: Der Monat wird ehrlicher und die Abrechnung harmloser. Entscheide anhand deiner Messung, nicht anhand des Gefühls.
Grundversorgung, Sondertarif, Wechsel
Wer nie aktiv einen Vertrag geschlossen hat, wird vom örtlichen Grundversorger beliefert. Das ist der Standardfall nach einem Umzug und in der Regel nicht der Tarif, den man bewusst gewählt hätte. Ein Sondertarif ist ein Vertrag mit eigener Laufzeit, eigener Kündigungsfrist und eigener Preisgarantie. Ein Wechsel ist hier ein normaler Vorgang, kein Abenteuer, und viele Haushalte prüfen ihn einmal im Jahr. Was wir dir nicht sagen: dass ein Wechsel einen bestimmten Betrag spart. Das hängt von deinem Verbrauch, deinem Ort und dem Zeitpunkt ab. Was du prüfen kannst, steht auf deinem eigenen Papier: aktueller Arbeitspreis, Grundpreis, Laufzeit und Kündigungsfrist deines jetzigen Vertrags.
Der Umschlag: Strom monatlich, Abrechnung als Rücklage
Führe zwei Positionen statt einer. Der Umschlag Strom & Nebenkosten bekommt monatlich genau deinen Abschlag — das ist eine feste, bekannte Zahl, also die einfachste im ganzen Budget. Daneben legst du eine Rücklage für die Jahresabrechnung an. Nimm die Nachzahlung des letzten Jahres, teile sie durch zwölf und zahl das ein. Gab es stattdessen ein Guthaben, füll die Rücklage trotzdem mit einem kleinen Betrag, weil sich Preise und Verbrauch ändern. In Envelope Budget trägst du beides von Hand ein und siehst den Stand auf dem Home- und Sperrbildschirm; kommt die Abrechnung, ist die Frage nur, ob der Umschlag reicht, nicht, woher das Geld kommt.
Häufige Fragen
Kann ich meinen Stromabschlag einfach senken lassen?
Anfragen kannst du das jederzeit bei deinem Anbieter, meist im Kundenkonto. Ob und wie stark angepasst wird, entscheidet der Anbieter anhand des Verbrauchs, den du belegen kannst — deshalb lohnt es sich, einen aktuellen Zählerstand mitzuschicken. Sinnvoll ist die Senkung aber nur, wenn dein gemessener Verbrauch tatsächlich unter der Annahme liegt. Senkst du den Abschlag, ohne dass der Verbrauch gesunken ist, hast du nichts gespart, sondern nur eine größere Nachzahlung auf die Jahresabrechnung geschoben.
Wie viel soll ich für die Jahresabrechnung zurücklegen?
Fang mit deiner letzten Abrechnung an. Stand dort eine Nachzahlung, teile sie durch zwölf und zahl diesen Betrag ab sofort monatlich in eine Rücklage. Gab es ein Guthaben, leg trotzdem etwas zurück, weil Preise und Verbrauch sich ändern und der nächste Brief anders aussehen kann. Hast du noch keine eigene Abrechnung, weil du gerade erst eingezogen bist, nimm einen selbst gewählten Platzhalter und korrigiere ihn, sobald die erste echte Abrechnung da ist. Danach ist die Zahl kein Rätsel mehr.
Warum ist mein Abschlag gestiegen, obwohl ich nichts geändert habe?
Drei Ursachen kommen in Frage, und sie stehen alle auf deinem Papier. Erstens ein neuer Preis, dann ändert sich der Arbeits- oder Grundpreis im Anschreiben. Zweitens eine neue Verbrauchsprognose, etwa nach einer Ablesung, die höher ausfiel als die Schätzung davor. Drittens der Ausgleich einer Nachzahlung, die in kommende Abschläge eingerechnet wurde. Vergleiche dazu die Position auf der alten und der neuen Abrechnung, statt nur die Summen zu vergleichen. Wenn dein Verbrauch pro Tag gleich geblieben ist, liegt es am Preis oder an der Prognose — dann hilft Sparen am Verbrauch nur begrenzt.
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