Wie viel du sparen solltest, bevor du kündigst
Das Ziel sind deine notwendigen Monatskosten mal die Monate, die du ohne Einkommen rechnest, plus die Beiträge, die nach dem Ende der Beschäftigung selbst zu zahlen sind — hol diese Zahl schriftlich bei deiner Krankenkasse ein —, plus ein Puffer für die Wochen zwischen letztem altem und erstem neuem Gehalt. Bei 2.000 Euro notwendigen Kosten und sechs Monaten sind das 12.000 Euro, bevor die beiden anderen Zeilen dazukommen. Und dieses Geld liegt getrennt vom Notgroschen.
Rechne mit notwendigen Kosten, nicht mit deinem Budget
Die Basis ist dieselbe wie beim Notgroschen: Warmmiete oder Rate, Strom, Lebensmittel, Mobilität, Versicherungsbeiträge, Handy und Internet, Mindestraten, Kinderbetreuung. Nicht dazu gehören Urlaub, Essengehen, Abos und Anschaffungen, denn in einer Phase ohne Einkommen fallen sie ohnehin weg. Liegt diese Summe bei 2.000 Euro und rechnest du mit sechs Monaten, ist die erste Zeile 12.000 Euro. Die Versuchung, mit dem vollen Ausgabenniveau zu rechnen, macht das Ziel unerreichbar und verschiebt die Kündigung um Jahre. Die Versuchung, zu knapp zu rechnen, sorgt dafür, dass du die erste Stelle annimmst, die kommt. Die belastbare Zahl liegt zwischen beiden Fehlern, und sie kommt aus deinen eigenen festen Umschlägen.
Wähl eine Monatszahl, die du begründen kannst
Die Anzahl der Monate ist keine Frage des Bauchgefühls, sondern eine Schätzung, die du herleiten solltest. Wie lange dauert in deinem Beruf und deiner Region eine Suche typischerweise, gemessen an dem, was Menschen mit vergleichbarem Profil berichten? Wie speziell ist deine Qualifikation, wie groß der Markt, wie lang die üblichen Prozesse mit mehreren Runden und Kündigungsfristen? Rechne außerdem ein, dass zwischen Zusage und erstem Gehalt weitere Wochen liegen. Wer diese Kette einmal durchdenkt, landet fast immer bei einer höheren Zahl als der ersten Vermutung — und diese höhere Zahl ist die belastbare.
Die zwei Zeilen, die fast alle vergessen
Erstens: Was sich bei den Beiträgen ändert, wenn die Beschäftigung endet. Bei Angestellten läuft ein Teil der Sozialabgaben über die Abrechnung; nach dem Ende der Beschäftigung ändert sich das. Was in deiner Situation auf dich zukommt und in welcher Höhe, sagt dir deine Krankenkasse — hol dir die Zahl schriftlich und setz sie als eigene Zeile in den Plan, statt sie zu schätzen. Zweitens: der Puffer bis zum ersten neuen Gehalt. Auch bei nahtlosem Wechsel liegen zwischen letzter und erster Zahlung häufig Wochen, weil Gehalt am Monatsende kommt und Probezeiten anders abgerechnet werden können.
Das ist nicht dein Notgroschen
Diese Rücklage und der Notgroschen sehen gleich aus und haben verschiedene Aufgaben. Der Notgroschen ist für das, womit du nicht rechnest. Diese Rücklage ist für einen Übergang, den du selbst planst. Wenn du beides aus einem Topf nimmst, kündigst du mit einem Puffer, der bereits verplant ist, und die erste kaputte Waschmaschine in der Suchphase wird zu einer Entscheidung unter Druck. Zwei Umschläge mit zwei Namen kosten nichts und beantworten diese Frage im Voraus. Und sie machen sichtbar, wann du wirklich so weit bist — nämlich wenn beide voll sind, nicht nur einer.
Wie lange der Aufbau dauert
Zielsumme geteilt durch den Betrag, den du monatlich sicher aufbringst. 12.000 Euro bei 500 Euro im Monat sind zwei Jahre, bei 1.000 Euro ein Jahr. Das klingt lang und ist der Grund, warum dieses Ziel besonders von unregelmäßigem Geld lebt: Steuererstattung, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Boni, Verkäufe gehen vollständig hierher. Zweitens hilft alles, was die notwendigen Monatskosten dauerhaft senkt, doppelt — es reduziert die Zielsumme und erhöht gleichzeitig den Sparbetrag. Wer während der Aufbauphase einen festen Posten um 100 Euro senkt, verkürzt bei sechs Monaten Zielzeitraum den Weg spürbar. Rechne beides gemeinsam, dann siehst du, welcher der beiden Hebel bei dir schneller wirkt.
Der Umschlag, den du heute anlegst
Ein Ziel-Umschlag namens Übergang mit der Summe aus den drei Zeilen und einer realistischen Monatszahl, strikt getrennt vom Notgroschen. Setz Zwischenmarken bei je einem Monat notwendiger Kosten, damit der Fortschritt sichtbar bleibt. Sobald du kündigst, dreht sich die Richtung um: Der Umschlag wird planmäßig geleert, und die relevante Zahl ist nicht mehr der Fortschritt, sondern die Restlaufzeit in Monaten. In Envelope Budget siehst du beim Eintragen jeder Ausgabe, wie viel im Umschlag bleibt — in einer Suchphase ist das die einzige Zahl, die zählt. Trag die Restlaufzeit einmal pro Woche kurz nach, dann triffst du Entscheidungen mit einer Zahl statt mit einem Gefühl.
Häufige Fragen
Reichen drei Monatsausgaben, um zu kündigen?
Nur, wenn deine Suche realistisch in drei Monaten abgeschlossen ist und du die Wochen bis zum ersten Gehalt zusätzlich abgedeckt hast. In vielen Berufen dauern Prozesse mit mehreren Runden länger, dazu kommen Kündigungsfristen auf der neuen Seite. Rechne die Kette einmal vollständig durch: Suche, Bewerbungsphase, Zusage, Fristen, erste Abrechnung. Wenn drei Monate am Ende knapp aussehen, ist die ehrliche Antwort ein längerer Aufbau — oder ein Wechsel aus der bestehenden Stelle heraus statt einer Kündigung ins Offene.
Soll ich kündigen, ohne eine neue Stelle zu haben?
Das ist eine persönliche und arbeitsrechtliche Frage, die diese Seite nicht beantwortet. Was wir sagen können, ist die Budgetseite: Ein Wechsel aus einer bestehenden Stelle heraus ist finanziell fast immer die günstigere Variante, weil kein Monat ohne Einkommen entsteht. Wenn du dich trotzdem für den Ausstieg entscheidest, klär vorher zwei Dinge schriftlich: deine Kündigungsfrist im Arbeitsvertrag und die Beiträge, die dann auf dich zukommen, bei deiner Krankenkasse. Alle Fragen zu möglichen Ansprüchen klärt ausschließlich die zuständige Stelle.
Was, wenn ich früher gehen muss, als die Rücklage erlaubt?
Dann verkleinerst du die Aufgabe, statt den Plan zu streichen. Erstens die notwendigen Monatskosten senken, weil das die Zielsumme direkt reduziert. Zweitens die Übergangszeit verkürzen, indem die Suche vor der Kündigung beginnt. Drittens eine Zwischenlösung mit geringerem Einkommen einplanen, die den Puffer streckt. Und in jedem Fall den Notgroschen unangetastet lassen: Er ist genau das, was in einer ohnehin unsicheren Phase verhindert, dass eine Kleinigkeit zur Krise wird.
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